Leerlauf kostet: Wie volatile Kraftstoffpreise Flottenbetriebe unter Druck setzen
Wenn der Motor läuft, aber kein Kilometer zählt
Geopolitische Verwerfungen treiben die Kraftstoffkosten in Europa erneut in die Höhe – und auch Flottenbetriebe tragen die Folgen. Laut aktuellen Marktdaten sind Benzinpreise in der EU seit Jahresbeginn um durchschnittlich 17 Prozent gestiegen, Dieselpreise sogar um 37 Prozent – in einzelnen Mitgliedstaaten teils noch deutlich mehr. Das ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern Teil eines Musters, das die Branche bereits kennt: Schon zu Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hatten explodierende Strompreise dafür gesorgt, dass der Betrieb von Elektrofahrzeugen in manchen Märkten zeitweise teurer war als der von Verbrennern. Was sich verändert, ist nicht nur das Ausmaß der Preissteigerungen, sondern ihre Unberechenbarkeit.
Leerlauf als unterschätzter Kostenfaktor
Inmitten dieser Dynamik rückt ein bisher oft unterschätzter Faktor stärker in den Fokus: die Leerlaufzeit. Europäische Nutzfahrzeuge stehen laut aktuellen Geotab-Daten durchschnittlich 53 Minuten pro Betriebstag im Leerlauf – das entspricht rund 14,6 Prozent der gesamten Motorlaufzeit. Pro Fahrzeug und Monat bedeutet das einen Verbrauch von etwa 67 Litern Diesel, die nicht für Transportleistung, sondern für das bloße Laufenlassen des Motors aufgewendet werden. Auf Basis des aktuellen EU-Durchschnitts-Dieselpreises von 2,115 Euro pro Liter entstehen so etwa 142 Euro monatlich je Fahrzeug – rund 38 Euro mehr als noch zu Jahresbeginn.
Diese Zahlen gewinnen an Bedeutung, sobald sie auf ganze Flotten hochgerechnet werden. Eine Flotte mit 20 Lkw kommt so auf monatliche Leerlaufkosten von rund 2.840 Euro, während der vergleichbare Wert zu Jahresbeginn noch bei rund 2.080 Euro lag. Bei einer Flotte von 1.000 Fahrzeugen belaufen sich die monatlichen Kosten allein durch Leerlauf auf etwa 142.000 Euro. Dabei ist zu differenzieren: Nicht jede Leerlaufminute lässt sich vermeiden. Kühlaggregate, Hydrauliksysteme oder die Fahrzeugklimatisierung erfordern mitunter laufende Motoren. Doch ein erheblicher Anteil der Standzeiten entsteht durch Prozesse, die sich bei entsprechender Datentransparenz grundsätzlich optimieren lassen.
Fahrleistung unter Druck
Die gestiegenen Kosten hinterlassen auch messbare Spuren im Fahrgeschehen selbst. Geotab-Auswertungen europäischer Flotten zeigen, dass die wöchentlich zurückgelegten Strecken von Januar bis Ende März 2026 weitgehend über den saisonalen Durchschnittswerten lagen. Im April änderte sich das Bild: In der Woche ab dem 6. April sank die Fahrzeugbewegung europaweit um rund 10 Prozent unter den Quartalsdurchschnitt – zeitgleich mit einem neuen Höchstwert bei den Kraftstoffpreisen. Deutschland verzeichnete dabei einen der stärksten nationalen Rückgänge mit einem Minus von etwa 16 Prozent innerhalb einer einzigen Woche.
Zwar spielten in diesem Zeitraum auch die Osterfeiertage eine Rolle. Die Dimension des Einbruchs geht jedoch deutlich über typische Feiertagseffekte hinaus und deutet auf ein verändertes Entscheidungsverhalten hin: Flotten prüfen Fahrten zunehmend vorab auf ihre Notwendigkeit, konsolidieren Routen und setzen stärker auf datenbasierte Planung, um den Kostendruck abzumildern.
Telematik als Steuerungsinstrument
An dieser Schnittstelle entfaltet Telematik ihren Mehrwert. Indem Daten zu Fahrverhalten, Routeneffizienz, Leerlaufzeiten und Kraftstoffverbrauch auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt und ausgewertet werden, entsteht ein ganzheitliches Bild des Flottenbetriebs. Einzelbeobachtungen weichen einer systematischen Analyse, die zeigt, wo Einsparpotenziale tatsächlich vorhanden sind und welche Faktoren die Betriebskosten am stärksten beeinflussen.
Der Zugang zu solchen Echtzeitdaten wird in einem volatilen Marktumfeld zunehmend zur strategischen Voraussetzung. Unternehmen, die Ineffizienzen wie vermeidbare Leerlaufzeiten, ungenutzte Routenpotenziale oder verhaltensbedingte Mehrkosten frühzeitig erkennen, können gezielt gegensteuern – und damit sowohl kurzfristig Kosten senken als auch langfristig ihre Planungssicherheit verbessern. Telematik ist damit nicht mehr nur ein Werkzeug zur Überwachung, sondern ein integraler Bestandteil unternehmerischer Resilienz. Quelle: Geotab/Fabian Seithel, Associate Vice President EMEA Sales & Business Development bei Geotab)












