Transportkapazitäten am Limit - Telematik-Lösungen bieten entscheidende Hilfe
Die durchschnittliche Entwicklung der Transportmarktkapazitäten (Linie/orange) und -preise (Balken/blau) in Quartalszahlen von Q2 2012 bis Q2 2018 in Indexwerten dargestellt (EU Basiswert 100 = 2012). Die Berechnungen basieren auf der Transporeon-Plattform mit einem jährlichen Frachtumschlag von über 13 Mrd. Euro. Bild: Transporeon
Im 2. Quartal dieses Jahres waren die Transportkapazitäten mit -36% über ein Drittel geringer als noch im 1. Quartal 2018. Die Transportpreise stiegen im gleichen Zeitraum um mehr als 17 Prozent an. Analog zu 2017 ist insbesondere ab September mit einem merklichen Einbruch der Kapazitäten zu rechnen – bei anhaltend hohen Transportpreisen. Um hierauf angemessen reagieren zu können, sollten verladende Unternehmen die konsequente Digitalisierung ihrer Transportlogistik umgehend in Angriff nehmen. Sie können sich beispielsweise über cloudbasierte Plattformen ausreichend Kapazitäten für ihre Transporte sichern. Zudem ermöglichen es die digitalen Lösungen den Spediteuren, Zeit und Kosten zu sparen. „Verlader, die bei der Digitalisierung Vorreiter sind, werden für ihren bevorzugten Pool an Carriern zu besonders attraktiven Partnern“, sagt Jan Rzehak, Director Business Consulting bei der Transporeon Group.
Die Weltwirtschaft floriert und die deutsche Wirtschaft ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt 2017 zum achten Mal in Folge gewachsen. Das kurbelt das Geschäft an, bringt aber auch ernste Probleme für verladende Unternehmen mit sich. Die Transportkapazitäten wachsen deutlich langsamer als die Wirtschaft, insbesondere aufgrund des anhaltenden Fahrermangels. Auch weil die Dieselpreise wieder steigen, werden Transporte zunehmend teurer.
„Die Situation am Ende des 3. Quartals 2017 war ein eindeutiger Wendepunkt, da sich die Lage nicht wie in den Vorjahren wieder entspannt hat. Die Unternehmen müssen längerfristig mit einer Verknappung rechnen. Sie sollten ihre Strategie zeitnah an auf niedrigerem Niveau schwankende Kapazitäten anpassen und mit höheren Transportpreisen kalkulieren. Der aus 2017 bekannte Trend dürfte sich 2018 im Jahresverlauf wiederholen, was insbesondere ab Herbst wieder zu merklichen Kapazitätsengpässen führen könnte. Diese sind leider kein zyklisches Phänomen mehr, sondern die neue Normalität. Sie könnten sich im schlimmsten Fall im Verlauf des Jahres sogar zu einer echten Kapazitätskrise ausweiten“, erklärt Rzehak.
Digitale Prozesse vereinfachen die Administration und helfen Zeit zu sparen
Hersteller, Zulieferer und Händler konkurrieren bereits um gute Logistik- und Transportdienstleister. Unternehmen, die sich ausreichend Transportkapazitäten und vernünftige Frachtraten sichern wollen, müssen die Zusammenarbeit attraktiv gestalten, beispielsweise durch nahtlose digitale Prozesse. Sie ermöglichen es den Spediteuren, wertvolle Zeit zu sparen und die Kosten zu senken – an der Rampe und bei administrativen Abläufen. Eine effiziente Möglichkeit hierfür ist ein digitales Zeitfenster-Management. Es hilft Spediteuren, Zeitfenster entsprechend ihrer Routenplanung zu buchen. Das verkürzt Wartezeiten an der Rampe und sorgt für eine optimale Fahrzeugauslastung. Leerfahrten werden minimiert.
Onlinebasierte Netzwerke verschaffen in Zeiten von Kapazitätsengpässen einen guten Überblick über noch verfügbare Transporte. Auch die Auftragsvergabe kann über eine große, cloudbasierte Logistik-Community besonders effizient abgewickelt werden. Zudem wird die im Markt insgesamt verfügbare Transportkapazität optimal ausgenutzt, was Engpässe entschärft und allen Verladern Kapazitäten zu angemessenen Frachtraten eröffnet.
„Co-opetition“: Zusammenarbeit mit direkten Wettbewerbern
Hersteller, Zulieferer und Einzelhändler wird die fortschreitende Digitalisierung und der Kapazitätsmangel dazu bringen, selbst mit direkten Wettbewerbern in Netzwerken zusammenzuarbeiten. Der Fachbegriff hierfür ist „Co-opetition“. „Wenn ein Unternehmen die Transportkapazität seines Spediteurs auf einer bestimmten Route nicht auslastet, warum gibt er die überflüssige Kapazität dann nicht einem Konkurrenten? Im Gegenzug nutzt er freien Frachtraum in Lkws, die für den Wettbewerber unterwegs sind. Technologisch geht das über eine sogenannte ‚Collaboration Plattform‘. Je mehr Verlader und Spediteure hier zusammenarbeiten, desto größer sind die Einsparpotenziale und die erzielbare Reduktion an Leerkilometern“, erläutert Rzehak.
In nicht ferner Zukunft werden auch die wachsenden Möglichkeiten der Datennutzung Kapazitätsengpässe entschärfen, Stichwort „Big Data“. Logistik-Plattformen liefern ihren Nutzern schon heute wertvolle Daten zur Marktdynamik. Hieraus lassen sich aussagekräftige Erkenntnisse über Markttrends gewinnen – und Preise und Kapazitäten für die Zukunft prognostizieren (Predictive Analytics). Im Idealfall können Verlader und Spediteure Nachfrage und Kapazität schon bald in Echtzeit so gut aufeinander abstimmen, dass Leerkilometer drastisch reduziert werden. „Kapazitätsengpässe sind zwar die neue Normalität. Aber mit dem Einzug von Big Data und Predictive Analytics in die Transportlogistik werden bald wieder alle Güter und Waren verlässlich und bezahlbar von A nach B transportiert werden“, so Rzehak. Quelle: Transporeon











