Vor dem Gebrauchtwagenkauf: TÜV Nord und Carly empfehlen digitale Diagnose
Papiere, Historie und Fahrzeug prüfen
Vollständige Unterlagen sind die Basis: Serviceheft, Wartungsnachweise und HU-Berichte sowie die Zulassungsbescheinigungen I und II. Ein Abgleich der Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN) und ein Blick auf die Zahl der Vorbesitzer geben Aufschluss über die Historie. Die Besichtigung erfolgt idealerweise bei Tageslicht und trockenem Wetter, möglichst mit einer zweiten, fachkundigen Person; bei Elektroautos gilt zusätzlich, dass sichtbar beschädigte, orangefarbene Hochvoltleitungen ein Warnsignal sind und nicht berührt werden dürfen. Eine strukturierte Orientierung bietet die kostenlose TÜV NORD Gebrauchtwagen-Checkliste, die Schritt für Schritt durch Papiere, Karosserie, Technik und Probefahrt führt.
Digitale Fahrzeugdiagnose nutzen
Ergänzend zur Sichtprüfung liest die Fahrzeugdiagnose für Privatkunden von TÜV NORD an der Station in wenigen Minuten relevante Fahrzeugdaten aus und bewertet sie unabhängig. Dazu zählen die Plausibilitätsprüfung des Kilometerstands (FIN-Check), die Analyse des Fehlerspeichers, der Batterie-Check bei Elektrofahrzeugen sowie die datenschutzkonforme Datenbereinigung vor einem Verkauf. Wer den Zustand selbst im Blick behalten möchte, nutzt die Carly-App mit dem passenden OBD-Adapter.
Bei Elektroautos: der Batteriezustand (SoH)
Bei gebrauchten Elektroautos ist die Hochvoltbatterie der größte Wertfaktor – und von außen nicht zu beurteilen. Der State of Health (SoH) macht ihren Zustand messbar. Eine Auswertung der von TÜV NORD und Carly im vergangenen halben Jahr analysierten OBCD-Daten zeigt, dass Elektroautobatterien deutlich langlebiger sind als häufig angenommen: Der Median der erfassten SoH-Werte liegt bei über 95 Prozent (95,42 Prozent) und damit auf einem sehr hohen Niveau. Selbst bei Fahrzeugen mit Baujahr vor 2019 beträgt der durchschnittliche SoH noch gut 83 Prozent (83,06 Prozent). Zur Einordnung: Ein Wert von 100 steht für eine Batterie im Neuzustand, Werte über 90 gelten als sehr gut und weisen auf eine geringe Alterung hin, und auch ein Bereich zwischen 85 und 90 Prozent spricht bei einem Gebrauchtwagen noch für einen soliden Zustand mit moderatem Verschleiß. Auslesen lässt sich der Wert per Batterie-Check der Fahrzeugdiagnose oder mit der Carly-App.
Probefahrt, Kaufvertrag und Übergabe
Eine ausführliche Probefahrt auf Stadtstraße, Landstraße und Autobahn macht Geräusche, Vibrationen oder Schaltprobleme erkennbar. Im Kaufvertrag sollten alle mündlichen Zusicherungen schriftlich festgehalten werden; bei der Übergabe sind sämtliche Originalpapiere, ein Übergabeprotokoll und die HU-/AU-Bescheinigung maßgeblich.
Der Zustand entscheidet – und lässt sich prüfen
Anders als die Ausstattung oder der Kilometerstand auf dem Papier ist der technische Zustand eines Fahrzeugs für Laien schwer zu beurteilen. Viele relevante Informationen stehen in den Fahrzeugpapieren oder liegen in den Steuergeräten. Wer sie systematisch prüft und ergänzend digital auslesen lässt, kauft auf einer belastbaren Grundlage.
„Beim Gebrauchtwagenkauf entscheidet der tatsächliche Fahrzeugzustand – nicht das Bauchgefühl. Objektive, auslesbare Daten vom Kilometerstand bis zur Batterie geben Käuferinnen und Käufern eine belastbare Grundlage. Genau dazu raten wir: erst prüfen, dann entscheiden.“, sagt Avid Avini, CEO und Gründer von Carly.
„Vertrauen beim Gebrauchtwagenkauf entsteht durch Transparenz. Digitale Fahrzeugdaten ergänzen die klassische Prüfung und machen sichtbar, was sich von außen nicht erkennen lässt. So schaffen wir eine verlässliche Grundlage für eine sichere Kaufentscheidung, insbesondere bei Elektrofahrzeugen und der Beurteilung ihrer Batterie“, sagt Hartmut Abeln, CEO von TÜV NORD Mobilität. Quelle: TÜV NORD










