Warnruf aus der Wirtschaft: Fahrermangel spitzt sich dramatisch zu

Frankfurt am Main, 04.02.2026.

Der akute Mangel an Berufskraftfahrenden gefährdet Lieferketten, Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze. Eine Verbändeinitiative fordert nun ein koordiniertes Handeln der Bundesregierung – mit besserer Infrastruktur, moderner Ausbildung und erleichterter Zuwanderung.​

Der Fahrermangel im Straßengüterverkehr hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschärft und entwickelt sich zur strukturellen Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft. Laut einer Verbändeinitiative fehlen in Deutschland inzwischen mehr als 70.000 Berufskraftfahrende, Tendenz weiter steigend. Bereits 2018 hatten die unterzeichnenden Verbände einen Fünf-Punkte-Plan gegen Logistikengpässe vorgelegt, doch die Lage hat sich seither weiter zugespitzt. Ein demografischer Umbruch verstärkt den Trend: Rund ein Drittel der Fahrenden ist älter als 55 Jahre, jährlich scheiden etwa 30.000 bis 35.000 Personen aus dem Beruf aus, während nur 15.000 bis 20.000 neu einsteigen.​

Mehr als 70 Prozent der deutschen Güterverkehrsleistung entfallen auf den Lkw, damit bildet der Straßengüterverkehr das Rückgrat der Versorgung von Bevölkerung, Handel und Industrie. Störungen in den Lieferketten können daher rasch auf ganze Wertschöpfungsketten durchschlagen und die Versorgungssicherheit gefährden. Zugleich sehen die Verbände kaum Spielraum, nennenswerte Anteile des Güterverkehrs auf die Schiene zu verlagern, etwa wegen dezentraler Transportstrukturen, fehlender Infrastruktur und mangelnder Verzahnung zwischen Straße und Schiene.​

Verbesserung des Berufsalltags gefordert

Im Zentrum der Initiative steht die Forderung, die Attraktivität des Fahrerberufs deutlich zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen spürbar zu verbessern. Kritisiert werden insbesondere fehlende Lkw-Stellplätze und eine mangelnde Aufenthaltsqualität an Parkplätzen, die den Berufsalltag erheblich belasten. Auch das Baustellenmanagement auf Fernstraßen gilt als Problem, weil unvorhersehbare Staus zu wenig planbaren Arbeitszeiten führen. Aus Sicht der Verbände braucht es hier ein konsequentes Umsteuern, damit der Beruf wieder konkurrenzfähig wird.​

Ein weiterer Hebel ist die Modernisierung der Aus- und Weiterbildung. Die derzeitige Berufskraftfahrerqualifizierung gilt vielen Unternehmen als zu teuer, zu wenig praxisnah und teilweise am späteren Arbeitsalltag vorbei konzipiert. Gefordert wird eine zielgerichtetere Ausbildung, die digitale Möglichkeiten besser nutzt und rechtliche Anforderungen stärker am konkreten Aufgabenprofil orientiert.​

Bürokratie abbauen, Zuwanderung erleichtern

Deutlich kritisiert wird auch der hohe Grad an Regulierung und Bürokratie im Straßengüterverkehr. Die Verbände verlangen pragmatischere Regeln, insbesondere bei der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen und Nicht-EU-Fahrerlaubnisse. Angesichts des strukturellen Mangels soll die Arbeitskräfteeinwanderung in den Fahrermarkt deutlich vereinfacht und bestehende Hürden abgebaut werden.​

Um die Vielzahl der Maßnahmen zu bündeln, schlägt die Initiative die Einrichtung einer interministeriellen Arbeitsgruppe der Bundesregierung vor. Beteiligt sein sollen die Ressorts Verkehr, Arbeit, Inneres und Wirtschaft, gemeinsam mit den Verbänden. Ziel ist eine koordinierte Strategie zur Sicherung des Fahrerarbeitsmarkts, um die Stabilität der Logistikketten langfristig zu gewährleisten.

Zu den unterzeichnenden Organisationen zählen:

  • Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. (bbs)
  • Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI)
  • Bundesverband Groß- und Außenhandel e.V. (BGA)
  • Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung e.V. (BGL)
  • Bundesverband für Eigenlogistik & Verlader e.V. (BWVL)
  • Bundesverband Möbelspedition und Logistik e.V. (AMÖ)
  • Bundesverband Spedition und Logistik e.V. (DSLV)
  • Handelsverband Deutschland e.V. (HDE)
  • Die Papierindustrie e.V.
  • Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)
  • WirtschaftsVereinigung Metalle e.V. (WVMetalle)

Quelle: BGL

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