Fuhrpark-Studie: Flotten setzen weiter auf Verbrenner – E-Autos bleiben Ergänzung

Aachen, 08.12.2025.

In deutschen Firmenflotten sind Diesel- und Benzinfahrzeuge nach wie vor klar in der Überzahl, auch wenn ihr Anteil seit 2019 von 98 auf aktuell 79 Prozent gesunken ist. Parallel dazu legten Elektrofahrzeuge im gleichen Zeitraum von zwei auf 16 Prozent zu, während Hybride mit rund fünf Prozent weiterhin nur eine Nebenrolle spielen.​ Die mittelfristigen Pläne der Flottenverantwortlichen fallen jedoch deutlich ambitionierter aus als der Status quo.

Fabian Seithel, Associate Vice President EMEA Sales bei Geotab. Bild: Geotab

Rund 30 Prozent der befragten Verantwortlichen wollen in den nächsten fünf Jahren einen Anteil von 50 Prozent Elektrofahrzeugen erreichen, weitere 39 Prozent peilen dieses Niveau innerhalb von fünf bis zehn Jahren an.​

Klimaziele und Verbrennerverbot

Trotz dieser Ziele dürfte das avisierte Tempo kaum ausreichen, um die für den Verkehrssektor relevanten Klimavorgaben zu erfüllen und sich auf das in der EU zumindest aktuell noch Verbrenner-Aus ab 2035 vorzubereiten. Auffällig ist, dass rund 72 Prozent der Befragten angeben, das angekündigte Verbot neuer Verbrenner oder ähnliche Regularien hätten keinen Einfluss auf ihre Elektrifizierungsstrategie.​

Nur etwa 15 Prozent der Flottenverantwortlichen gehen davon aus, dass Elektrofahrzeuge langfristig keine dominante Rolle in ihrem Fuhrpark spielen werden. Der Rest rechnet also grundsätzlich mit einer deutlich höheren Bedeutung der E-Mobilität, agiert beim Umbau aber zurückhaltend.​

Motivation und Investitionen

Als wichtigste Treiber für den Umstieg nennen die Befragten ökologische Vorteile, geringere Betriebs- und Wartungskosten sowie die Abfederung steigender Kraftstoffpreise. Mehr als zwei Drittel betonen, dass Nachhaltigkeit für ihr Unternehmen wichtig oder sehr wichtig sei.​

Investiert wird nicht nur in Fahrzeuge: Rund 60 Prozent der Unternehmen haben bereits eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut, 45 Prozent setzen zusätzlich auf Solarstromerzeugung. Nur knapp ein Drittel berichtet, bislang keine ergänzenden Investitionen getätigt zu haben.​

Schrumpfende Vorbehalte gegen E-Autos

Die größten Bedenken richten sich nach wie vor gegen die Reichweite, doch der Anteil der Skeptischen ist von 60 auf 52 Prozent gesunken. Hohe Anschaffungskosten bleiben mit 48 Prozent ein zentrales Hindernis, während lange Ladezeiten nur noch von gut einem Viertel als gravierendes Problem wahrgenommen werden.​

Technische Daten sprechen vielerorts gegen die verbreitete „Reichweitenangst“. So erreichen aktuelle Elektro-Pkw in Tests durchschnittliche Reichweiten von fast 400 Kilometern, während ein typisches deutsches Flottenfahrzeug im Alltag im Schnitt nur rund 130 Kilometer pro Tag zurücklegt.​

„Unsere Daten zeigen, dass deutsche Flotten auf dem richtigen Weg sind – auch, wenn das Tempo noch zu wünschen übrig lässt”, sagt Fabian Seithel, Associate Vice President EMEA Sales bei Geotab. “Die Herausforderung durch hohe Anschaffungskosten und die Sorge um Reichweite lassen sich gezielt angehen: Flottenmanager haben die Möglichkeit, Einsatzprofile zu identifizieren, bei denen Elektrofahrzeuge die erforderliche Reichweite problemlos abdecken, und können so bereits heute von Vorteilen wie geringeren Betriebskosten profitieren. Unternehmen, die diese Flottenbereiche priorisieren, können ihre Elektrifizierungsziele ehrgeiziger verfolgen und gleichzeitig die Vorteile von E-Fahrzeugen realisieren. Auf diese Weise lassen sich die Kosten für eine zukünftige Ausweitung der Elektrifizierung effektiv senken.” 

Staatliche Anreize und Total Cost of Ownership

Rund 45 Prozent der Befragten geben an, sich durch zusätzliche staatliche Förderungen zu einem schnelleren Ausbau der Elektromobilität motivieren zu lassen. Häufig übersehen Verantwortliche laut Geotab jedoch, dass die Gesamtbetriebskosten von Elektrofahrzeugen – also Anschaffung, Betrieb und Wartung über den Lebenszyklus – in vielen Fällen bereits heute unter denen von Verbrennern liegen.​

Damit stehen kurzfristig hohe Investitionen langfristigen Einsparpotenzialen gegenüber. Eine systematische TCO-Betrachtung könnte helfen, die wirtschaftlichen Vorteile elektrischer Flottenanteile stärker ins Bewusstsein zu rücken.​

Assistenzsysteme und Telematik im Fokus

Bei der Modellwahl dominieren weiterhin klassische Kriterien wie Zuverlässigkeit, Qualität und attraktive Finanzierungs- oder Leasingkonditionen. Gleichzeitig gewinnen moderne Assistenz- und Sicherheitssysteme sowie Technologien zur Effizienzsteigerung von Antrieb und Batterie deutlich an Bedeutung.​

Das Potenzial von Telematiklösungen wird bislang vor allem in kleineren Flotten unterschätzt: Nur etwa zehn Prozent der befragten Verantwortlichen nutzen entsprechende Systeme. Dabei können Fahrdaten zu Streckenprofilen, Auslastung und Routenplanung helfen, geeignete Einsatzbereiche für E-Fahrzeuge zu identifizieren, die Nutzung zu optimieren und so den Return on Investment zu erhöhen.

Methodik: Im Auftrag von Geotab befragte Dataforce im Zeitraum vom 23. September bis zum 24. Oktober 2025 insgesamt 217 Flottenmanager in Deutschland. Quelle: Geotab

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