KI-gestützte Bilderkennung für hochoptimierte Bestandsprüfungen im Einzelhandel
Wer kennt es nicht aus dem Supermarkt: Ein Regal ist halb leer, falsch bestückt oder die Ware steht am falschen Platz. Für Händler und Markenhersteller sind solche Situationen nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer. Routinemäßige Bestandsprüfungen binden Personal und liefern oft veraltete Daten. Eine neue Technologiepartnerschaft will genau dieses Problem lösen.
Der italienische Automatisierungsspezialist Datalogic und das US-amerikanische Unternehmen Pensa Systems haben eine Zusammenarbeit im Rahmen des Datalogic-ISV-Partnerprogramms bekanntgegeben. Ziel ist es, KI-basierte Bilderkennungssoftware direkt auf mobilen Handheld-Geräten verfügbar zu machen – und damit manuelle Kontrollprozesse im Einzelhandel grundlegend zu verändern.
Scannen war gestern
Der Kern der Lösung klingt simpel, ist technisch aber anspruchsvoll: Statt einzelne Produkte per Barcode-Scan zu erfassen, können Mitarbeitende künftig ganze Regalansichten mit einer einzigen Handbewegung aufnehmen. Die Vision-AI-Plattform von Pensa wertet diese Aufnahmen in Echtzeit aus und liefert sofort Informationen zu Produktplatzierung, Bestandsmengen und der Einhaltung von Planogrammen.
Das macht einen erheblichen Unterschied im Arbeitsalltag. Wo früher eine vollständige Inventur eines Ganges viele Minuten dauern konnte, soll die neue Methode den Prozess drastisch beschleunigen. Laut Herstellerangaben lassen sich bis zu 70 Prozent der routinemäßigen Bestands- und Umsetzungsprüfungen automatisieren. Out-of-Stock-Situationen, Fehlplatzierungen und Compliance-Verstöße sollen damit früher erkannt und schneller behoben werden.
Einsatz von Bestandsgeräten
Ein strategisch wichtiger Aspekt der Partnerschaft ist die Kompatibilität mit bereits vorhandener Hardware. Die Pensa-Software läuft nicht nur auf dem neuen Datalogic Memor™ 35, sondern auch auf älteren Geräten aus der installierten Basis des Unternehmens. Händler müssen also nicht zwingend in neue Hardware investieren, um von den KI-Funktionen zu profitieren.
Das senkt die Einstiegshürde erheblich. Gerade im Einzelhandel, wo Margen oft eng sind und Technologiebudgets sorgfältig geplant werden, ist die Möglichkeit, bestehende Infrastruktur weiterzunutzen, ein gewichtiges Argument. Die Lösung lässt sich schrittweise einführen und an unterschiedliche Filialgrößen sowie Netzwerkumgebungen anpassen.
Vom Lager bis ins Regal
Die Anwendungsfälle beschränken sich nicht auf die Verkaufsfläche. Die Technologie soll entlang der gesamten Lieferkette im Einzelhandel einsetzbar sein – vom Warenlager über den Backroom bis zum Verkaufsregal. Die KI-Plattform unterstützt dabei sowohl die lokale Verarbeitung direkt auf dem Gerät als auch cloudbasierte Prozesse, je nach Anforderung und verfügbarer Konnektivität.
Diese Flexibilität ist für den Betrieb in der Praxis relevant. Nicht jede Filiale verfügt über eine stabile WLAN-Verbindung in allen Bereichen, und nicht jedes Unternehmen möchte sensible Bestandsdaten in die Cloud auslagern. Die Möglichkeit, beide Betriebsmodi zu kombinieren, macht die Lösung breiter einsetzbar.
KI als operative Infrastruktur
Die Partnerschaft steht exemplarisch für einen breiteren Trend: Künstliche Intelligenz zieht nicht mehr nur in Rechenzentren und Planungsabteilungen ein, sondern direkt in die Werkzeuge, die an der Verkaufsfront eingesetzt werden. Mobile Geräte, die bislang hauptsächlich für Barcode-Scanning genutzt wurden, entwickeln sich zu multifunktionalen Plattformen mit eigenständiger Analysefähigkeit.
Für den Einzelhandel bedeutet das einen Paradigmenwechsel in der Bestandsverwaltung: weg von zeitpunktbezogenen Stichproben, hin zu kontinuierlicher, automatisierter Überwachung. Ob sich die versprochenen Effizienzgewinne in der Breite realisieren lassen, wird die Praxis zeigen – das Potenzial der Technologie ist jedoch unverkennbar.








