Telematik-Daten von Geotab zeigen, welche Faktoren Einfluss auf die Reichweite von E-Autos haben

Aachen, 30.07.2025.

Die aktuelle Hitzewelle in Deutschland bringt nicht nur Menschen ins Schwitzen, sondern auch Elektroautofahrer ins Grübeln: Wie stark beeinflussen hohe Temperaturen und die Klimaanlage die Reichweite? Laut Geotab, einem Anbieter für vernetzte Fahrzeuglösungen und Flottenmanagement, ist die größte Herausforderung jedoch nicht Hitze, sondern Geschwindigkeit.

Geotab hat Einflussfaktoren auf die Reichweite von E-Autos untersucht. Bild: CHUTTERSNAP/Unsplash

Eine Analyse* von über drei Millionen Fahrten zeigt, dass die Reichweite mit zunehmender Geschwindigkeit deutlich sinkt. Besonders bei sommerlichen Temperaturen um die 30 °C und Geschwindigkeiten zwischen 80 und 130 km/h spielt der Luftwiderstand eine entscheidende Rolle – weit mehr als die Klimaanlage. Ein Beispiel: Ein elektrischer Transporter mit 65 kWh Batterie kommt bei 80 km/h rund 230 km weit. Bei 97 km/h sind es nur noch 195 km, bei 112 km/h 166 km und bei 128 km/h gerade einmal 142 km. Das bedeutet fast 40 Prozent weniger Reichweite durch schnelleres Fahren.

Auch bei Limousinen zeigt sich dieser Effekt, wenn auch etwas abgeschwächt. Die Reichweite sinkt bei höheren Geschwindigkeiten um etwa 28 Prozent, also von 446 km bei 80 km/h auf 322 km bei 128 km/h. Das hat einen physikalischen Zusammenhang: Der Luftwiderstand steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Wer doppelt so schnell fährt, hat einen viermal so hohen Luftwiderstand und verbraucht damit auch entsprechend mehr Energie – weitaus mehr als eine Klimaanlage.

„Autofahrer zögern, bei warmem Wetter die Klimaanlage einzuschalten. Doch unsere Daten zeigen, dass die größten Reichweitenverluste vor allem durch hohe Geschwindigkeiten entstehen“, sagt Charlotte Argue, Senior Managerin für Nachhaltigkeit bei Geotab. „Schon 16 bis 24 km/h langsamer zu fahren, kann die Reichweite je nach Fahrzeug um mehr als 20 Prozent erhöhen.“

Merklicher Einfluss der Klimaanlage vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten

Im Sommer zeigt sich der Einfluss hoher Temperaturen vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten, wenn der Luftwiderstand kaum eine Rolle spielt. In solchen Situationen fällt der konstante Energiebedarf der Klimaanlage stärker ins Gewicht. Je schneller man fährt, desto weniger relevant wird die Außentemperatur im Vergleich zur Energie, die nötig ist, um die Geschwindigkeit zu halten.

„Moderne Elektrofahrzeuge verfügen über immer größere Batterien und bewältigen selbst im gewerblichen Einsatz die meisten Alltagsstrecken problemlos mit einer einzigen Ladung”, fügt Argue hinzu. „Dennoch bleibt die Reichweite, ob bei Elektro- oder Verbrennerfahrzeugen, ein dynamischer Wert. Sie hängt stets von der Temperatur, dem Streckenprofil, dem Verkehr und natürlich der Fahrweise ab.“

Was hilft im Sommer?

Geotab empfiehlt einige einfache Maßnahmen, um die Reichweite zu verbessern, ohne den Komfort zu opfern:

1. Geschwindigkeit reduzieren: Schon kleine Anpassungen bringen oft viel. Bei vielen Fahrzeugen kann eine Verringerung der Geschwindigkeit von 113 auf 97 Stundenkilometer die Reichweite um 10-20 Prozent erhöhen. Außerdem sollte stets das Tempolimit eingehalten werden.

2. Innenraum vorkühlen: Die Klimaanlage nutzen, solange das Fahrzeug noch am Strom hängt. So wird die Autobatterie entlastet und die Reichweite bleibt erhalten. Viele Autos lassen sich sogar remote per App vorkühlen.

3. Klimaanlage effizient nutzen: Es empfiehlt sich, den Innenraum zunächst vollständig abzukühlen, bis die Anfangshitze verschwunden ist. Die Klimaanlage verbraucht etwa 20-mal so viel Energie wie die Lüftung, deshalb sollte im Anschluss vor allem der Umluftmodus genutzt werden. Falls vorhanden, spart eine reine Sitzkühlung weitere Energie gegenüber der Kühlung des gesamten Innenraums.

4. Sanft fahren: Rekuperation nutzen, abruptes Beschleunigen oder starkes Bremsen vermeiden. Wenn sich der Grad der Rekuperation manuell einstellen lässt, sollte die höchstmögliche Einstellung gewählt werden.

5. Im Schatten parken: Fahrzeuge sollten möglichst nicht in der prallen Sonne abgestellt werden. Ideale Stellplätze für den Sommer sind Tiefgaragen oder Parkhäuser, aber auch Bäume oder überdachte Ladestationen können eine gute Alternative sein. Zusätzlich erlaubt das Anschließen an Ladestationen die Kühlung von Batterie und Innenraum mit Energie aus dem Netz.

6. Bei Hitze Schnellladen vermeiden: Gleichstrom-Schnellladen (DCFC) kann gerade bei großer Hitze die Lebensdauer der Batterie durch die Kombination von Hitze und hoher Leistung negativ beeinflussen. Deshalb sollten E-Autofahrer wenn möglich bei hohen Temperaturen auf langsames und schonendes Laden setzen.

Methodik: Diese Analyse von Geotab basiert auf anonymisierten Telematikdaten. Für das Limousinen-Modell wurden dabei 350.000 Fahrten von 500 Fahrzeugen analysiert, mit insgesamt mehr als 180.000 Stunden Fahrtzeit. Das Modell zu leichten Transportern basiert auf der Analyse von 2.8 Millionen Fahrten von 2.000 Vans, mit insgesamt mehr als 370.000 Stunden Fahrtzeit. Beide Modelle wurden auf eine Batteriekapazität von 65 kWh normiert. Quelle: Geotab

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