Effizienter kommissionieren: Warum Prozesse, Technik und Layout zusammen gedacht werden müssen

Mitarbeitende von BeeWaTec bei der Kommissionierung im Lager. Bild: BeeWaTec
Die Kommissionierung gehört zu den zentralen Abläufen in Lager- und Logistiksystemen. Sie verbindet Bestandsführung und Versand und beeinflusst damit unmittelbar Lieferzeiten, Servicequalität und Kostenstruktur. Was lange als operativer Standardprozess galt, rückt zunehmend in den Fokus strategischer Überlegungen. Grund dafür sind wachsende Sortimente, steigende Kundenerwartungen und ein anhaltender Effizienzdruck in der gesamten Lieferkette. Gleichzeitig zeigt sich, dass gerade dieser Prozess überproportional viele Ressourcen bindet. Wegezeiten, Suchaufwand und Fehlerquoten wirken sich direkt auf Produktivität und Wirtschaftlichkeit aus. Entsprechend groß ist das Interesse an Lösungen, die Abläufe beschleunigen, Fehler reduzieren und gleichzeitig flexibel bleiben.
Kommissionierung als kritischer Faktor
In einer vernetzten Wirtschaft sind schnelle und zuverlässige Lieferungen zum Standard geworden. Unternehmen stehen unter Druck, auch bei schwankenden Auftragslagen und begrenzten personellen Ressourcen konstant hohe Leistungen zu erbringen. Die Kommissionierung wird dabei zum entscheidenden Stellhebel.
Ineffiziente Abläufe führen nicht nur zu längeren Durchlaufzeiten, sondern erhöhen auch die Fehleranfälligkeit. Falsch zusammengestellte Aufträge ziehen Retouren, Zusatzaufwand und Unzufriedenheit auf Kundenseite nach sich. Umgekehrt profitieren Unternehmen mit optimierten Prozessen von stabileren Abläufen, geringeren Kosten und einer höheren Lieferqualität.
Vor diesem Hintergrund investieren immer weitere Betriebe gezielt in neue Konzepte. Neben technologischen Lösungen gewinnen auch organisatorische und strukturelle Anpassungen an Bedeutung.
Zwischen manuell und automatisiert
Die Wahl des passenden Kommissionierverfahrens hängt stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. Lagergröße, Artikelvielfalt, Auftragsstruktur und Flexibilitätsanforderungen bestimmen, welcher Ansatz sinnvoll ist:
- Manuelle Verfahren bieten weiterhin Vorteile, insbesondere bei wechselnden Sortimenten oder kleineren Volumina. Sie sind vergleichsweise einfach umzusetzen und erfordern geringe Investitionen. Gleichzeitig sind sie stärker von Erfahrung abhängig und anfälliger für Fehler.
- Automatisierte Systeme setzen auf Fördertechnik, Robotik und digitale Steuerung. Sie ermöglichen hohe Geschwindigkeiten und eine gleichbleibende Qualität, sind jedoch mit höheren Investitionskosten verbunden und weniger flexibel bei kurzfristigen Veränderungen.
In der Praxis etabliert sich zunehmend ein hybrider Ansatz. Manuelle Tätigkeiten werden gezielt durch digitale Hilfsmittel ergänzt. Systeme wie Pick-by-Light, mobile Datenerfassung oder sprachgesteuerte Prozesse unterstützen Mitarbeitende im Arbeitsalltag und verbessern sowohl Effizienz als auch Genauigkeit.
Methoden zur Prozessoptimierung
Neben der grundsätzlichen Systemwahl spielt die Organisation der Kommissionierung eine zentrale Rolle. Unterschiedliche Methoden bieten jeweils spezifische Vorteile.
Bei der Einzelauftragskommissionierung wird jeder Auftrag separat bearbeitet. Das Verfahren ist leicht verständlich, verursacht jedoch häufig lange Laufwege. Effizienter kann das Batch-Picking sein, bei dem mehrere Aufträge parallel abgearbeitet werden. Gemeinsam benötigte Artikel werden gebündelt entnommen und anschließend verteilt.
Auch die Zonenkommissionierung trägt zur Reduzierung von Wegen bei. Das Lager wird in Bereiche unterteilt, in denen spezialisierte Mitarbeitende arbeiten. Ergänzend ermöglicht die Wellenkommissionierung eine bessere Abstimmung mit Versandprozessen, indem Aufträge zeitlich gebündelt werden.
In vielen Lagern werden diese Methoden kombiniert. Ziel ist es, die jeweiligen Stärken zu nutzen und an die individuellen Anforderungen anzupassen. Entscheidend bleibt dabei eine kontinuierliche Analyse der Abläufe.
Lean-Prinzipien im Lager
Ein zentraler Ansatz zur Effizienzsteigerung ist die Anwendung von Lean-Management-Prinzipien. Im Fokus steht die konsequente Vermeidung von Verschwendung und die Konzentration auf wertschöpfende Tätigkeiten.
Typische Ineffizienzen im Lager entstehen durch unnötige Wege, Wartezeiten oder unklare Prozesse. Besonders die Laufwege haben einen erheblichen Anteil an der gesamten Kommissionierzeit. Durch eine gezielte Lagergestaltung lassen sich hier deutliche Verbesserungen erzielen.
Eine bewährte Methode ist die ABC-Analyse. Häufig benötigte Artikel werden in gut erreichbaren Bereichen platziert, während selten benötigte weiter entfernt lagern. Ergänzt wird dies durch standardisierte Abläufe, klare Kennzeichnungen und ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze.
Ein weiterer Aspekt ist die Einbindung der Mitarbeitenden in den Verbesserungsprozess. Erfahrungen aus der Praxis liefern oft entscheidende Hinweise auf Optimierungspotenziale, die in der Planung nicht sichtbar sind.
Digitalisierung und flexible Strukturen
Die Digitalisierung verändert die Kommissionierung grundlegend. Technologien wie Pick-by-Light reduzieren Suchzeiten und erhöhen die Genauigkeit. Voice-Picking ermöglicht freihändiges Arbeiten und verbessert die Ergonomie. Mobile Scanner sorgen für Transparenz und Echtzeitdaten im Prozess.
Zunehmend kommen auch autonome mobile Roboter zum Einsatz. Sie übernehmen Transportaufgaben innerhalb des Lagers und entlasten das Personal. Dadurch verschiebt sich der Fokus stärker auf wertschöpfende Tätigkeiten.
Parallel dazu gewinnt die Flexibilität der Systeme an Bedeutung. Modulare Lager- und Arbeitsplatzlösungen ermöglichen schnelle Anpassungen an veränderte Anforderungen. Strukturen lassen sich erweitern, umbauen oder neu konfigurieren, ohne bestehende Systeme vollständig zu ersetzen.
Ergonomische Aspekte spielen dabei eine immer größere Rolle. Optimierte Greifräume, reduzierte Laufwege und individuell anpassbare Arbeitsplätze tragen nicht nur zur Effizienz bei, sondern verbessern auch die Arbeitsbedingungen.
Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass bereits kleinere Anpassungen messbare Effekte erzielen können. Veränderungen im Layout, in der Materialbereitstellung oder in der Prozessorganisation führen häufig zu spürbaren Produktivitätssteigerungen.
Die Entwicklung der Kommissionierung verdeutlicht, dass technische Innovation, Prozessdenken und Flexibilität eng miteinander verknüpft sind. Unternehmen, die diese Bereiche integriert betrachten, schaffen die Grundlage für stabile und leistungsfähige Logistikprozesse in einem dynamischen Umfeld. Quelle: beewatec







